Die Kirchengemeinde lebt aus der Kraft der Wirklichkeit Gottes, seines anbrechenden Reiches. Die Kirchengemeinde predigt die Vergebung der Sünde in der jedem Einzelnen zugesprochenen Liebe Gottes, die sich in Wort, Werk, Tod und Auferstehung Jesu Christi offenbart. Sie lehrt den Glauben an Gott und seine Heilstat als die eine entscheidende Brücke zwischen Gott und Mensch, von Gott selbst gebaut.
Im Hören und Verstehen dieser Predigt gelangt der Einzelne zu einer neuen Art der Selbstwahrnehmung, die ihn zur Buße leitet, das ist zur Distanz von seinem „von Jugend an bösem Trachten“ (Genesis 8,21):
Auf solche Weise stiftet Gott selbst Gemeinschaft unter seinen Gläubigen. Die Erinnerung und Vergegenwärtigung dieses Zusammenhangs geschieht in besonderer Weise in der Feier des Heiligen Abendmahles. Die solcherart gestiftete Gemeinde wirkt in freiem Gehorsam gegenüber Gottes Gebot nun Werke der Barmherzigkeit in der Liebe, um deretwillen Christus gestorben ist. Die Gemeinde als Gemeinschaft der Gläubigen, der im Glauben gerecht gemachten Sünder (Römer 3,21) wird im Zeichen der Auferstehung Jesu Christi nicht irre an den Anfechtungen des Glaubens und der Liebe.
Die Kraft der „Torheit des Kreuzes“ (1. Kor. 1,18) standzuhalten und in ihr die wahre Gotteskraft glaubend anzunehmen, erhält sie aus Gottes Versprechen „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,20) Von hier aus entfaltet sich das Tätigkeitsfeld der Kirchengemeinde Werl in Folgendem:
Die Kirchengemeinde Werl achtet auf die Verbreitung von Gottes Geboten unter ihren Gliedern und auch im öffentlichen Leben.
Die Kirchengemeinde orientiert sich auf glaubwürdige Weise am Evangelium Jesu Christi. Sie tröstet Verzweifelte, bezeugt ihnen Wert und Würde ihres individuellen Lebens und tut es ausdrücklich (expressis verbis) wie auch zeichenhaft und stellvertretend für Gottes eigenes Heilshandeln.
So bringt sie das christliche Verständnis von Menschenwürde, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit zur Geltung gegenüber allen Tendenzen der Entmündigung, Selbstverleugnung und Fremdbestimmung des Menschen.
Die Kirchengemeinde entdeckt und fördert darum in der Kommunikation untereinander und gegenüber jedermann die Seele als innerstes Selbst („Seel-sorge“, cura animae). Auf dieser Basis hilft sie Gut von Böse, Wahrheit von Irrtum, authentische Rede von „Gerede“ usw. zu entscheiden und von innen heraus „Alles zum Guten zu wenden“.
(Martin Luther, Kl. Katechismus, Erklärung zum 8. Gebot).
Die Kirchengemeinde nimmt den missionarischen Auftrag Jesu Christi wahr, indem sie Menschen in Gottesdiensten, Gesprächen, Unterricht und Veranstaltungen zum Glauben und zu christlicher Lebenspraxis ermutigt. Sie lädt ein und leitet an zur Mitarbeit.
Die Kirchengemeinde pflegt und fördert das Erbe der christlichen Tradition, hier besonders das der reformatorischen Kirchen. Die Kirchengemeinde sucht in gemeinsamer Beratung und im Gebet nach zukunftsgerichteten Wegen, einladende, mutmachende und teilende Gemeinde zu sein.
Die Kirchengemeinde pflegt den Dialog und das Zusammenwirken mit Christen anderer Kirchen und Bekenntnisse und mit Angehörigen anderer Religionen. Sie scheut sich nicht vor der Auseinandersetzung mit Menschen, die sich selbst als ungläubig verstehen; hier vernimmt sie den Auftrag des Herrn zur Mission.
Die Kirchengemeinde trachtet unnötig Ärgernisse zu vermeiden, legt aber jederzeit unerschrocken Bekenntnis ab für den „Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft“. Bei aller Dialogbereitschaft vermeidet sie, ihre eigene Identität aufzugeben. Sie hält sich treu an das Bekenntnis ihres Glaubens wie es niedergelegt ist in den Schriften des Neuen und Alten Testaments und den kirchlichen Schriftbekenntnissen.
Dieses Leitbild wurde vom Presbyterium im Laufe eines Jahres gemeinsam beraten, entwickelt und am 29. September 2003 beschlossen. Als Ausgangspunkt soll es helfen, verbindliche Ziele für die zukünftige Gemeindearbeit zu formulieren und in die Praxis umzusetzen.